| Markt & Meinung Kolumne | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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das Thema, der es sich einfach machte. Er fotokopierte die Texte aus dem Ca- lamaris-Buch, brachte sie in eine ande- re Reihenfolge und änderte drei Über- schriften, und alsbald lag auch der Band "Hikkaduwa-Festgesänge der Irokesen" im Sortiment. Im Pythagoras Verlag ließ man sich wie immer Zeit, aber als man endlich handelte, handelte man mit voller Kraft. "Nicht kleckern, sondern klot- zen!" strahlte der Verlagsleiter glück- lich, als er die Börsenblattanzeige abnahm, die das ehrgeizige Projekt an- kündigte: "Indianergesänge", eine neue Taschenbuchreihe, in der drei Jahre lang Monat für Monat ein Band Indianerlieder erscheinen sollte. "Eine schreckliche Mode, diese Indianer", stöhnte der Cheflektor der Skorpion Verlagsgruppe. "Aber auch wir können uns dem Zeitgeist nicht verschließen!" Drei Tage wühlten Azu- bis im Keller, dann hatten sie endlich ein Restexemplar des vor zwanzig Jah- ren verramschten Buches "Herbstge- dichte der Hopi" gefunden, das jetzt unter dem Titel "Repli-Repli - Die Weihnachtsgesänge der Comant- schen" erneut ins Sortiment gelangte, wo inzwischen erschöpfte Dekorateure ein Indianerschaufenster nach dem anderen mit Tannenzweigen und Kriegsbeilen schmückten. Dann schlug der Geier Verlag endlich zu. Wochenlang hatte der Verleger in der 48. Etage seines Hochhauses aus alten amerikanischen Zeitungen foto- kopiert. Als "Das große Indianer Weih- nachtsbuch" endlich gedruckt war, hielten es zwar sämtliche Sortimenter für absoluten Mist, aber sie kauften und verkauften es begeistert, was nicht verwundert: Es war großformatig, in echtes Büflelleder aus Plastik gebun- den und kostete 249,- DM. Als die ersten Remittenden des schmalen Bändchens "Weihnachtslieder der Iro- kesen" wieder im Max und Moritz Ver- lag eintrafen, schrieb endlich ein Völ- kerkundler in der "ZEIT', was wir längst wissen: Es gibt keine Weih- nachtslieder der Irokesen, weil India- ner mit Weihnachten nicht viel im Sinn haben, aber es gibt Verleger. Leider konnte ich keinen am Telefon zu den Indianerweihnachtsbüchem befragen, denn sie waren stark beschäftigt: Erneut schiebt sich ein Titel aus dem Max und Moritz Verlag langsam aber beständig auf den Bestsellerlisten nach vorn... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wolfgang Körner : | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Irokesen- Weihnachtslieder | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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as lange währt, wird endlich |
behämmert: "Mit großem Interesse haben wir Ihr Manuskript "Skifahren - leicht gemacht" gelesen, müssen es je- doch leider ablehnen, weil der Markt für Handarbeitsbücher derzeit über- setzt ist." Diesem Ablehnungsbrief lag ein fremdes Manuskript bei, dessen Titel "Liebeslieder aus zwölf Jahrhunder- ten" lautete. Der kleine Max und Moritz Verlag, er sei gepriesen, war vom Buch begeistert und schickte einen Verlagsvertrag, den Conrad Calamaris erleichtert unter- schrieb. Ein halbes Jahr später lag der schmale Band "Weihnachtslieder der Irokesen" im Sortiment, und ein Wun- der geschah. Sei es, daß die Irokesenlieder eine Marktlücke füllten, sei es, daß der Buchumschlag, ein tanzender Indianer unterm Weihnachtsbaum, die Leser kauffreudig stimmte; unermüdlich schob sich der Titel nach vom, und vier Monate später erreichte er den 12. Platz der Bestsellerlisten. Als erden 10. Platz erreicht hatte, bemerkten das auch Verleger. Der Lektor des Hyperean Verlags las den Spiegel morgens in der S-Bahn und rief sofort danach den Max und Moritz Verlag an, weil er, und das ehrt ihn, eine Taschenbuch-Lizenz schlicht und einfach erwerben wollte. Leider hatte die schon in der Nacht zuvor der Rotkehlchen Verlag telegrafisch ge- kauft. "Wir brauchen sofort ein India- nerweihnachtsliederbuch!" schrie der Leiter des Hyperean Verlags erregt, und der Lektor rief der Reihe nach 25 Autoren an, bis er endlich den beim Verlag mit 40000 DM verschuldeten Schnellschreiber Willibald Wurzel überreden konnte, ein Manuskript zu produzieren. "Hiawatha-Weihnachts- lieder der Apatschen" hießt das Buch. Im Drei Nelken Verlag setzte die Ver- lagsleitung sofort einen Lektor über | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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gut! Jahrelang hatte ein Autor, den ich hier Conrad Calama- ris nennen will, an seinem ersten Buch gearbeitet, und als letztes tippte er er- | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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leichtert die Titelseite: "Minehaha- Weihnachtslieder der Irokesen". Da- nach lief er zum nächsten Copy-Shop, fertigte 50 Fotokopien des Manu- skripts an und schickte sie an 50 Verla- ge. 45 Manuskripte kamen schon drei Tage später mit vorgedruckten Ableh- nungsbescheiden zurück. Fünfverlage ließen sich zwei Jahre Zeit, schrieben dafür aber richtige Briefe. "Im Hinblick auf die derzeit ange- spannte Absatzlage sind wir leider nicht imstande, unverlangt eingesand- te Manuskripte zu prüfen", schrieb der Hyperean Verlag. "Wir bitten deshalb, von weiteren Einsendungen künftig abzusehen." Der Lektor des Drei Nelken Verlags wollte das Buch prinzipiell veröffentli- chen, schlug aber Änderungen vor. "Wir könnten uns mit der Veröffentli- chung Ihres Buches anfreunden", schrieb er, "es sollte sich allerdings nicht um Weihnachtslieder, sondern um Kochrezepte handeln, und sie soll- ten nicht von Irokesen, sondern den Amish-People kommen". Über den Brief des Pythagoras Ver- lags wundert sich Autor Calamaris sehr: "Mit großem Interesse haben wir Ihr Angebot geprüft, müssen jedoch leider ablehnen, da wir selbst vor drei Tagen einen Autor mit der Erstellung eines Bandes Irokesenweihnachtslie- der beauftragt haben". Der Cheflektor der Skorpion Verlags- gruppe antwortete der Bedeutung sei- ner Häuser entsprechend auf edlem Briefpapier. Bütten handgeköpft, total | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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