| In Sachen Urheberrecht | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Ach, wenn sich in Deutschland jemand einen literarischen Spaß erlaubt, schreien manche sofort nach dem Anwalt. In der Februarausgabe des Fachmagazins BuchMarkt erhebt ein Anwalt den Vorwurf, Franca Permezza habe in ihrem Roman "Prosuciutto di Parma" möglicherweise das deutsche Urheberrecht verletzt. Sie habe sich "am Fundus der Figuren und Handlungselemente eines anderen Autors bedient". Der Übersetzer erklärt dazu: das ist schlicht und einfach Unsinn. Zu den Figuren: Es ist zutreffend, daß Permezzas commissario Trattoni wie der commissario Brunetti der Donna Leon verheiratet ist und mit seiner Familie in einem Palazzo in Venedig lebt. Sowohl seine - bei Permezza im Gegensatz zu Brunettis Ehefrau achtzehn Jahre jüngere - Lebengefährtin als auch seine Kinder weisen jedoch völlig andere Charakterzüge aus als die entsprechenden Figuren der Leone-Romane. Selbstverständlich sind in einem Roman die "Charaktere, das Milieu und das Handlungsgefüge eines Romans" urheberrechtlich geschützt. Franca Permezza benutzt in ihrem Roman "Prosciutto di Parma" weder Charaktere, noch das Milieu oder das Handlungsgefüge eines Romans der Donna Leon. Sie hat ihren Roman frei erfunden. Daß in Italien Millionen Männer mittags manchmal mit ihrer Familie speisen, daß in Polizeidienststellen tausende junge Sekretärinnen für Beamte am Computer recherchieren, ist urheberrechtlich nicht schutzfähig, nämlich allgemeine Wirklichkeit des Lebens: alte Polizeibeamte wie Trattoni sind selten dazu imstande, am Computer zu arbeiten. Es gibt im Roman "Prosciutto di Parma" von Franca Permezza nicht eine einzige Figur oder Szene aus einem der Romane der Donna Leon. Wenn sich comissario Trattoni nicht mehr mit seinem -im Gegensatz zum Vize-Questore Patta korrupten - Chef Berlusco streiten dürfte, wäre es unmöglich, nach Donna Leon noch einen Italienkrimi zu schreiben. In zahlreichen Kriminalromanen, z.B. in den Romanen des Autors -ky, streiten sich commissari mit ihren Chefs. Es ist typisch für das Genre. Die - meist absurd angelegten - Dialoge zwischen Trattoni und seinem Chef sind eine freie Erfindung Franca Permezzas. Die in BuchMarkt erhobene Behauptung "nahezu das vollständige Handlungsgefüge einer älteren, bestens eingeführten Werkreihe mit allen maßgeblichen Personentypen" tauche "ohne maßgebliche Veränderungen" in Permezzas Werk wieder auf, ist unzutreffend. Sie parodiert manchmal das bei Donna Leon ausführlich beschrie-bene Geschehen in der Cucina Italiana. Aber solange die Kunst hierzulande frei ist, ist auch das erlaubt. Der Übersetzer meint: Juristen sollten sich auf ihr Fachgebiet, z.B. das Urheberrecht beschränken und die Analyse von Romanen besser den Sachverständigen für zeitgenössische Literatur überlassen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Zur Startseite | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||